DJK Schwarz-Weiss Neukölln 1920 e. V.

1. Herren: Interview mit Ricardo Rätsch

Die Sommerpause ist lang. Deutschland spielt erst am Wochenende wieder im EM-Viertelfinale gegen Italien oder Spanien. Um diese Zeit zu überbrücken, haben wir ein Interview mit Ricardo Rätsch geführt. Ricardo ist Spieler der ersten Herren und ein Teil der Aufstiegsmannschaft 2014/15 und 2015/16.

Ricardo Rätsch Foto: Bansemer / patrickbansemer.com

Ricardo Rätsch
Foto: Bansemer / patrickbansemer.com

Danke, dass du dir Zeit genommen hast, um einige Fragen zu beantworten!

DJK: Ricardo, erstmal Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg in Berlin’s höchste Spielklasse! Du spielst nun schon einige Jahre bei DJK Schwarz-Weiss Neukölln und auch unter deinem Trainer Heiko Lambert. In der Jugend hast du auch schon unter ihm trainiert und gespielt. Wie ist euer Verhältnis zueinander?

Ricardo: Ja, das ist richtig. Ich spiele bereits seit der 1.C – Jugend unter Coach Lambert. Wir sind beide damals zusammen zu DJK Schwarz-Weiss Neukölln gewechselt – Ich von TSV Rudow 1888 und der Trainer mit einem Teil seiner Mannschaft von den Sportfreunden Neukölln Rudow. Wir kannten uns schon von den unzähligen Derbys in der Jugend her. Unser Verhältnis hat zwei verschiedene Ebenen. Ein mal das private und dann die sportliche Ebene. Das private Verhältnis ist sehr tiefgründig verankert und daher haben wir dementsprechend ein super Verhältnis und verstehen uns sehr gut. Auf dem Platz ist es aus sportlicher Sicht für mich durchwachsen, was daran liegt, dass ich aufgrund meines Berufes nicht so oft am Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen kann. Heiko Lambert erwartet mehr von mir, da er mich anstacheln möchte, damit ich bessere Leistungen bringe und auf Einsatzzeiten komme.

DJK: Die vergangene Spielzeit war lang und hart. Rückblickend auf die Saison: Wie war sie für dich und warst du mit deiner Leistung zufrieden?

Ricardo: Man muss ganz klar sagen, dass es eine Fabelhafte Saison gewesen ist. Es hätte am Anfang der Saison niemand damit gerechnet, dass wir wieder einen Durchmarsch machen und die Liga so dominieren.
Das eine große Qualität in der Mannschaft vorhanden ist, das war uns selbst bekannt. Aber das dieser bereits vorhandene Teamgeist sich noch weiter entwickelt und wir uns durch die mannschaftliche Geschlossenheit selbst so hoch gepusht, das wir es wirklich geschafft haben aufzusteigen, davon war sicherlich nicht auszugehen. Die Saison für mich war teilweise eine Saison des Leidens, denn durch das berufliche konnte ich leider nicht so mitwirken wie ich das gehofft habe, um dieser geilen Mannschaft mehr helfen zu können als ich es getan habe.
Aber dafür gibt es ja die nächste Saison, wo man einige Dinge anders machen kann und anders machen muss damit für mich persönlich mehr dabei rumkommt.

DJK: Welcher Moment in der vergangenen Spielzeit hat einen bleibenden Eindruck bei dir hinterlassen?

Ricardo: Eindeutig das Spitzenspiel bei TuS Makkabi in der Hinrunde wo wir zwei Tore erzielt hatten und beide aus unerklärlichen Gründen vom Schiedsrichtergespann nicht gegeben wurden. Dieser absolute Wille, Kampfgeist und in der Art und Weise dieses Spiel zu gewinnen… Das war echt Weltklasse! 
Und selbstverständlich der Moment als der Schlusspfiff vom Schiedsrichter im Spiel gegen Concordia Wittenau ertönte und wir als Aufsteiger feststanden, da die Ergebnisse von Makkabi gegen Lübars immer wieder durchgegeben wurden, waren echt beeindruckend. Dazu der Teamgeist von Militz und Michalke, die ihren Einsatz kurz vor Schluss verweigerten um Hahn und Dittmann in ihrem letzten Spiel nochmal spielen lassen zu können. Das hat die Mentalität dieser Mannschaft widergespiegelt.

Ricardo Rätsch und Robert Kruk in der Halbzeit beim Spitzenspiel gegen TuS Makkabi. Foto: Bansemer / patrickbansemer.com

Ricardo Rätsch und Robert Kruk in der Halbzeit beim Spitzenspiel gegen TuS Makkabi.
Foto: Bansemer / patrickbansemer.com

DJK: Was war euer Erfolgsrezept? Als Aufsteiger aus der Bezirksliga in die Landesliga zählt man nun nicht unbedingt als Top-Favorit und Anwärter den direkten Aufstieg in die Berlin-Liga zu schaffen.

Ricardo: Wir haben von Spiel zu spiel gedacht. Jedes Spiel als Endspiel angesehen und wollten jedes Spiel gewinnen. Der eigene Ehrgeiz hat uns angetrieben, denn wer geht schon auf dem Platz um zu verlieren? Dazu kam die große Qualität in dem Kader welche sich bezahlt gemacht hat. Das wir in der Breite gut aufgestellt waren und wenn einer nicht spielen konnte, konnte sofort ein anderer einspringen, hat sich auf dem Platz zerissen und wollte diese Position auch nicht mehr hergeben. Dadurch konnte man auch nicht weniger geben, denn man wusste: wenn ich nicht gut trainiere und mich auf dem geleisteten ausruhe, ist hinter mir einer, der alles geben würde um auf dieser Position zu spielen. Das hat auch den Druck oben gehalten.

DJK: Nach dem 5:1 Sieg über TuS Makkabi am vorletzten Spieltag der Hinrunde, sowie dem 1:0 Erfolg über Internationale habt ihr euch einen tollen Vorsprung von 8 Punkten und die „Herbsmeisterschaft“ erarbeitet. Zu beginn der Rückrunde lief es nicht gerade rosig. Im ersten Spiel gegen Wilhelmsruh gab es ein mühsames 2:1, gefolgt von einem 1:1 in Gatow, einer 0:2 Heimniederlage gegen Biesdorf  und die 1:0 Niederlage bei Internationale. Da war der Vorsprung weg und Makkabi wieder gleichauf. Woran hat es gelegen?

Ricardo: Wir haben eine Neujahrsschwäche! Die ersten Begegnungen in den letzten Jahren haben wir nach der Winterpause immer verloren. Die automatismen haben nicht mehr gegriffen, die Spielfreude und die Leichtigkeit haben gefehlt, sowie das Quäntchen Glück in einigen Situation. Das bedarf harte Arbeit, damit diese Faktoren wieder greifen. Dazu ist die Voraussetzung jedoch, dass man dafür auch arbeitet und die Beteiligung am Training hoch ist. Außerdem sollte man den Gedanken abschalten, dass alle schon von alleine wieder funktionieren wird, nur weil man eine herausragende Hinrunde gespielt hat. Denn alle anderen arbeiten auch und schlafen nicht! Das war anfangs ein Problem jedoch mit den ersten Erfolgen ist die besagte breite Brust wieder dagewesen und die Faktoren haben alle wieder gegriffen und Spielabläufe, Teamgeist und Siegeswille war wieder vorhanden.

Im Zweikampf unten Ricardo Rätsch / Raetsch (DJK) graetscht gegen Stephan Baudisch (Biesdorf). Foto: Bansemer / patrickbansemer.com

Im Zweikampf unten Ricardo Rätsch grätscht gegen Stephan Baudisch im Spiel gegen Fortuna Biesdorf.
Foto: Bansemer / patrickbansemer.com

DJK: Über welche Partie oder Ereignis ärgerst du dich rückblickend am meisten?

Ricardo: Ganz klar das Hinspiel gegen Stern Marienfelde mit 2 roten Karten in der ersten Hälfte! Dicht gefolgt vom Rückspiel Heim gegen Fortuna Biesdorf mit ebenfalls 2 roten Karten, wo das ganze Team bestraft wurde. Wir haben Punkte leichtfertig abgegeben, die am Ende möglicherweise den direkten Aufstieg hätte kosten können.

DJK: Nächste Saison stehen mit Tasmania, Hürtürkel und Rudow gleich mehrere Neuköllner Derbys an. Auf welches freust du dich am meisten?

Ricardo: Ganz klar auf das Spiel gegen TSV Rudow, weil wir die in den letzten Jahren nicht besiegen konnten und es jetzt endlich mal Zeit wird.

DJK: Seit dem Aufstieg am letzten Spieltag und der anschließenden spontanen Aufstiegsfeier seid ihr in der Sommerpause. Am 12.07. um 19:00 Uhr startet das erste Training als Berlin-Liga Mannschaft. Wie hast du dich in der freien Zeit Fit gehalten?

Ricardo: Erstmal wurde nur entspannt und die freie Zeit wurde mit anderen Dingen verbracht als mit Sport treiben – im privaten Bereich. Auf Arbeit sieht das zwar ein wenig anders aus, aber das ist okay.
Ich fange in dieser Woche an, damit ich in der ersten Woche nicht gleich über den Boden krieche… Also reine Vorsichtsmaßnahme :-D.

DJK:Wem möchtest du nach dieser Saison besonders Danken?

Ricardo: Ich möchte unserem Anhang unseren Fans am meisten danken, der uns bei Wind und Wetter immer unterstützt und alles gegeben hat. Der uns auch in Momenten, als wir mit dem Rücken zur Wand standen, immer geschlossen hinter uns stand und an uns geglaubt hat! Dafür DANKE!

DJK: Wo siehst du DJK Schwarz-Weiss Neukölln in der kommenden Saison? Wer ist für dich der Titelanwärter?

Ricardo: Das Ziel für uns kann nur der Klassenerhalt sein! Alles andere wäre utopisch. Wenn es mehr werden sollte, gesichertes Mittelfeld, dann nehmen wir das auch dankend an. Titelanwärter sind für mich: BFC Preußen, SV Tasmania und Blau-Weiß 90.

DJK: Eine letzte Frage. Bald geht es mit der Mannschaft nach Mallorca zur Abschlussfahrt. Freust du dich? 😁

Ricardo: Freude? Freude ist leicht untertrieben… 😁 Mallorca wird in einen Ausnahmezustand versetzt bzw. der Ballermann!
Das wird ne Party werden, die niemand von allen Mitreisenden vergessen wird!

Danke Ricardo für deine Zeit! Und viel Erfolg in der neuen Saison. Wir freuen uns alle auf das erste Heimspiel.