DJK Schwarz-Weiss Neukölln 1920 e. V.

1. Herren: Endlich zu Hause!

Endlich zu Hause
Einst bezeichnete Boris Becker die Tennis Arena in Wimbledon als sein „ Wohnzimmer“ und diese Aussage beschreibt genau das Gefühl der Schwarz-Weißen aus Neukölln als sie endlich ihren heiligen Rasen am 5. Spieltag gegen Al Dersimspor betreten durften.

Im Stadion „ Adlerhorst“ wurden die vergangenen Spielzeiten Erfolge gefeiert, die dem Verein die Berlin Liga bescherte und der Mannschaft den Ruf der „ DJK Legenden“ einbrachte.

Egal ob als Spieler, Trainer, Fan, Gegner oder neutraler Zuschauer, merkt man sofort, hier wird Fußball gelebt. Keine Aggressionen, keine Grenzüberschreitungen sondern einfach nur pure Emotionen Auf und Neben dem Platz und ein Stadion das schon am Eingang darauf hinweist, wie die Uhren von DJK ticken. Detlef Ratke grüßt alle die den Weg passieren wollen mit einem freundlich und schroffen „ Juten Morgen “ und achtet darauf das auch alle, die das Spiel sehen wollen, den Eintritt bezahlen und das am besten natürlich zügig, denn Detlef ist selbst Anhänger des Vereins und somit der 1. Herren. Kassieren, anfeuern, manchmal meckern und zum Schluss bestmöglich jubeln, so sollte es sein.

Das ist DJK, wie es leibt und lebt.

Ein mal das Portmonee gezückt hat man gleich noch die Möglichkeit bei Detlef ein Stadionheft , Fan Sonnenbrillen, Schals und T-Shirts zu ergattern, eben alles was der kleine „Fanshop Tisch“ hergibt, dann tritt man ein und sieht den grünen und großen Rasenplatz und die Schalensitze auf den jeweiligen kleinen Stadionrängen und man bekommt suggeriert, das hier mit kleinen Mitteln etwas Großes geschaffen worden ist, aber vor allem bemerkt man auch, wie Familiär es in diesem Verein zu geht. Kinder spielen rum und sorgen für Wirbel, Mütter die sich umarmen und ihre Söhne unterstützen und die Väter, die heute als Fan mitfiebern und selbst vor Jahren noch aktiv bei den 1. Herren mit spielten und nun gegen den Ball in den jeweiligen Altligen treten.

In einer Zeit, wo sich der Amateurfußball stetig dem Geld anpassen muss und Vereine Unsummen in Spieler und Mannschaften investieren, kann Djk eher auf ehrliche Traditionen bauen und auf junge,talentierte Eigengewächse, die wissen was sie an ihrem Verein haben. Ein Attribut, das man sich so lange wie möglich erhalten möchte. Das was möglich ist, wird angepackt und umgesetzt. Hier ist ein Handschlag noch etwas Wert und somit erklärt es sich von selbst als Mitglied, Spieler, Fan oder neutraler Beobachter die Ränge zum kochen und den Rasen zum brennen zu bringen.

Das ist DJK Schwarz-Weiß Neukölln und genau so war es auch am gestrigen Tag als wir endlich am 5. Spieltag auf unseren Rasen, in unserem Stadion die Gäste von Al Dersimspor empfingen.
Zum Spiel

Der Berlin Liga Start war für beide Mannschaften mehr als durchwachsen. Al Dersimspor kam mit vier Niederlagen im Gepäck zu uns und wir von DJK, hatten bisher Licht und Schatten auf unserer Seite. Der sogenannte Heimsieg gegen den 1. Wilmersdorf auf dem Gelände von Tasmania, bescherten uns die ersten drei wichtigen Punkte in dieser Saison, was für einen Aufsteiger wie Balsam ist. Die Mannschaft ist selbstkritisch genug und wusste das gegen Al Dersimspor ein Sieg her musste, egal wie. Die vorangegangen Spiele schlug man sich zwar achtbar, aber das gelbe vom Ei war es noch lange nicht allerdings ist es eben auch ein Prozess, der zwar ins rollen gebracht worden ist, aber noch eine Menge Arbeit beinhaltet.

Die Voraussetzungen waren also klar in diesem Spiel. Beide Mannschaften brauchten die Punkte.

Leider mussten wir wie auch schon in den vorangegangenen Spielen leicht umbauen und Spieler wie Timo, Finke, Rosi und Kirsche ersetzen, die vor allem durch ihre Erfahrung enorm fehlten. Auch im Tor kam es zu einem Wechsel. Flo ersetzte den am Knie verletzten Ken.

Es konnte also losgehen. Von der ersten Minute an sah man, wie sich das Spiel entwickeln sollte. Al Dersimspor überließ uns überwiegend das Feld und baute sich ab der Mittellinie auf, bei Balleroberungen versuchten sie durch schnelle Einzelaktionen vor unser Tor zu kommen. Allerdings standen wir sicher und kompakt, sodass in der ersten Viertelstunde von beiden Seiten ein relativ behutsames Spiel fahrt auf nahm und auch wenn wir es durch kurze schnelle Spielzügige immer mal wieder vor das gegnerische Tor schafften, fehlte uns in letzter Instanz die Durchschlagskraft im letzten Drittel des Feldes.

In der 21. Minute hatte die Gäste einen kurzen Lichtblick und schafften es in unseren Strafraum. Aus leicht Spitzenwinkel und ca. 8 Meter von unserem Tor weg, zog eine Spieler von Al Dersimspor ab, ein schöner strammer Schuss, der aber seinen Meister in Flo fand. Eine überragende Parade, durch einen überragenden Reflex.

Wer aber gedacht hat, das es unsere Gäste nun vielleicht etwas offensiver angehen und somit ein Fußballspiel zu Stande käme, hatte sich leider getäuscht. Wir hatten den Ball und das Feld und sie hielten an ihrer Ausrichtung fest. Mehre Male versuchten wir über die Außenbahnen uns durchzusetzen, was auch gelang, aber leider waren wir nicht präzise genug oder der Rasenplatz entschloss sich noch ein paar kleine Hügel mit einzubauen.

Aufregung dann in der 35. Minuten. Aus einer unübersichtlichen Situation und einem Pressschlag höhe der Mittellinie kam der Ball wie ein Flugball in Richtung unseres Tores. Unser Torhüter rannte aus seinem 16er und der Stürmer von Al Dersimspor zog auch zum zum Geschehen hin. Unser Spieler Samuel, erkannte die brenzlige Situation und schaffte es noch knapp sich zwischen die beiden zu schieben. Als er den Ball wegköpfen wollte, bekam er einen kurzen, aber ausreichenden Schubser des Stürmers in den Rücken, sodass er unter dem Ball durchflog und der Spieler von Al Dersimspor das runde Leder in unser Tor hinein befördern konnte. Helle Aufregung. Der Hauptschiedsrichter hatte das Vergehen nicht gesehen, aber die Linienrichterin, sie hob sofort die Fahne, da war der Ball noch nicht mal im Tor.

Al Dersimspor konnte es nicht fassen und auch auf den Rängen, gab es natürlich zwei Lager. Unser Gegner fühlte sich betrogen, was normal ist, wenn man mit der Last von vier Niederlagen zu kämpfen hat. Leider waren die nächsten Minuten bis hin zur Halbzeit von keinem fußballerischen Highlight mehr geprägt, da die Emotionen unserer Gäste leicht überhand nahmen und die Schiedsrichter eher damit zu tun hatten 4 Minuten mit dem Trainer des Gegners zu reden, um ihn dann in der 45. Minute auf die Tribüne zu schicken. In diesen 10-15 Minuten verloren wir auch völlig den Faden, aber auch Al Dersimspor viel nichts ein, ihr Faden endete nur beim Schiedsrichterteam.

In der zweiten Halbzeit, beschlossen sich beide Mannschaften mehr auf den Fußball zu konzentrieren. Wir wechselten für Leon auf der linken Seite Schmidti ein, der mit einem leicht geschwollen Hals den Rasen betrat und zeigte was er im Stande ist zu leisten. Sauer zum Erfolg, ein alte bekannte Fußballphilosophie. Er setze mit einem kurzen Pass Thomas Meißner schön in Szene, der dann von der linken Seite mit seinem sehr „starken“ rechten Fuß am zweiten Pfosten unseren Capitano Maurice heran fliegen sah und weil es noch schöner ist einen Ball voll zu treffen, nahm Maurice sein Herz in die Hand und nagelte den ball volley ins Netz. 1:0. Endlich. 49. Minute, guter Zeitpunkt.

Und das war die Initialzündung, um auch mal zu zeigen, das wir gewisse Dinge können. Samuel, der im Zentralem Mittelfeld neben Fabio spielte, riss das Spiel nun an sich und zeigte, das er unsere Truppe spielerisch bereichern kann. Matteo zog gut die Fäden im defensiven Mittelfeld und auch die restlichen Teamkollegen packten eine Schippe drauf. Das Spiel wurde breiter aufgezogen, die Pässe schneller und zielorientierter. Es war nicht alles Gold was glänzte, aber man war auf den weg den Gegner endlich mal zu bespielen mit Mut und Selbstbewusstsein. Al Dersimspor war zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich zu sehen. Immer wieder kamen wir vor das gegnerische Tor bis es in der 59. Minute Tobi Schmidt war, der ansatzlos aus 17 Metern den Ball in den Winkel haute, nicht zu halten, da kann man als Torwart nur hinterher gucken.

Unsere Fans jubelten und freuten sich, denn das 2:0 war nicht nur schön anzusehen sondern auch zeitlich gut gelegen. Sechs Minuten später war es wieder dieser Schmidt, der sich links durchsetzte und mustergültig Samuel im Strafraum anspielte und unser kleiner flinker peruanisch-italienischer Wirbelwind, zog mit einer kurzen Körpertäuschung an einem Gegner vorbei, um dann den Ball ins lange und offne rechte Eck zu befördern. 3:0 und das bei schönem „Fritz Walter Wetter“.

Absolut verdient und auch mal einen Ansatz von Fußball gezeigt, reicht für die Landesliga. Stop. Wir sind nicht in der Landesliga sondern in der Berlin Liga und genau das zeigte sich dann. Al Dersimspor hatte sich nun wieder gefangen und zelebrierte von nun an, dem Wetter entsprechend, englischen Fußball. Ab in die Zweikämpfe egal wie und lange Bälle nach vorne und wenn man glaubt das Spiel ist ab der 65. Minute zu Ende, dann liegt man da eben falsch. Alles was wir vorher gut gemacht haben, machten wir ab jetzt eben schlecht. Keine Ruhe, keine Positionen gehalten, keine Kommunikation und eine Unsicherheit, die sich unmittelbar nach dem Anschlusstreffer in der 67. Minute einschlich, langer Ball, der gut verarbeitet und abgelegt worden war sodass der Torschütze aus 16 Metern eiskalt ins Eck schoss. Al Dersimspor witterte wieder ihre Chance und diese ergriffen sie schon in der 73. Minute. Der Spieler von Al Dersimspor versuchte sein Glück und fand den Weg durch 4-5 Spieler und schloss wieder trocken ab.

Man merkte besonders unseren treuen Fans an, das es noch extrem schwierig werden würde in den letzten 15. Minuten, denn unsere Gegner waren wie ein angeschlagener Boxer, der um sich haute um so einen Glückstreffer zu landen. Der kam dann auch in der 82. Minute. Nur mit Glück hatte das nichts zu tun, denn so hart wie es klingt, wir waren völlig von der Rolle, das hatte mehrere Gründe, die wir natürlich nur mit unseren Jungs besprechen und aufarbeiten, wir fingen uns also das 3:3 und es waren immer noch 10 Minuten Spielen inklusive der Nachspielzeit.

Ein mal Lunte gerochen, waren unsere Gegner nun drauf und dran sogar das Spiel komplett umzudrehen. Allerdings muss man auch sagen, das aus ihrer Sicht natürlich eh alles dann falsch war egal was auch immer der Schiedsrichter gepfiffen hat. Zwei mal steht ihr Stürmer jeweils im Abseits, klar bitter und davon erzielte er auch noch ein Tor, aber beide Male wurden eben abgepfiffen.

Für uns auch mal schön die andere Seite kennenzulernen, nach ähnlichen Situationen in den vier Spielen zuvor. Fußball eben. Ein Situationssport. Man konnte aber die Aufregung der Gäste aus eigener Erfahrung verstehen, die gesagten aggressiven Worte in Richtung des Gespanns allerdings eher nicht, aber das ist nicht unser Thema.

Die Schlussphase bestand aus verbleibenden 10 Minuten und uns Trainern kam es vor wie eine volle Stunde. Nach dem Ausgleichstreffer in der besagten 82. Minute, kamen wir in der 84. noch ein mal zu einer eigentlich nicht wirklichen Chance. Wir hatten einen Freistoß in höhe der Mittellinie. Thomas Meißner nahm sich den Ball und ließ ihn in den gegnerischen 16er fliegen. Normalerweise gut zu verteidigen, weil hoch und lang in den Strafraum, aber wer weiss was Tom dem Ball mit auf den Weg gegeben hat zumindest landetet dieser irgendwie aus einem Getümmel heraus bei Matteo, der die Ruhe und die Präzision hatte, den Ball zu verarbeiten und einzuschieben. 4:3. Wahnsinn. Die Fans brüllten, verschütteten ihre Biere, die Damen kreischten, Trainer Heiko Lambert klatschte mit allen ab und brach dabei ca. 3 Handgelenke und Al Dersimspor konnte es nicht fassen.

Aber sie gaben einfach nicht auf und kamen noch zu den schon zwei besagten Szenen, die zurückgepfiffen worden sind.

Und dann war endlich Schluss.

4:3. Drei Punkte. Aber was für ein sinnloser Krimi. Vieles Richtig gemacht und doch so vieles Falsch. Wir Trainer und auch die Spieler müssen aus solch einem Spiel lernen und sowohl positives mitnehmen, als auch die Lehren aus den letzten 30 Minuten ziehen.

In jedem Spiel wird uns alles abverlangt über 90. Minuten plus Nachspielzeit. Abschalten ist nicht erlaubt, zurücklehnen erst recht nicht. Das ist die Berlin Liga. Die höchste Klasse Berlins und endlich waren wir in unserem „Wohnzimmer“ in unserem Stadion, in unserem „Adlerhorst“, auf unserem Rasen. Immer etwas Besonderes, wie man eben auch an diesem Sonntag sehen konnte.

In diesem Sinne

Danke an unsere Fans und Familien und bis nächsten Sonntag zum Pokalspiel gegen Spandau 06. Ein Gegner, der uns wieder alles abverlangen wird und wo wir an unsere Grenzen gehen müssen. Wir brauchen wieder eure Unterstützung.

Plautzi Junge, schön das du deine OP gut überstanden hast und zwei Tage nach dem Eingriff bei uns warst. Überragend. Erhole dich und komm gesund zurück.

In diesem Sinne. Euch eine gute Woche.