DJK Schwarz-Weiss Neukölln 1920 e. V.

1.Herren: Auswärts bei Preussen

 

Am 28. Spieltag der Berlin Liga 16/17, durften wir beim BFC Preussen antreten. Keine leichte Aufgabe, die uns dort bevor stand.

Die Ausgangssituation war klar. In der Tabelle führten wir bis dato mit drei Punkten von unserem Konkurrenten Dynamo, diese spielten am Vortag allerdings 1:1 gegen Empor Berlin und verkleinerten den Abstand auf zwei Punkte. Auch das Torverhältnis spielte uns noch nicht in die Karten.

Wir wussten zwar, das wir selbst mit einer Niederlage noch vor dem BFC bleiben würden, doch jeder Punkt und jeder Sieg ist in unserer Situation extrem wichtig.

Der Druck ist hoch und das zwingt uns hell wach zu bleiben.

Preussen spielte bis dahin eine sehr schwankende Saison. Von der überragenden letzten Spielzeit mit dem Gewinn des Berliner Pokals und dem Einzug in die erste Runde des DFB Pokals ist nicht viel übrig geblieben. Doch trotzdem besitzt diese Mannschaft immer eine gewisse Qualität, die an guten Tagen der entscheidende Schlüssel sein kann.

Auf unserer Seite standen zuletzt ein Sieg gegen Dynamo und ein Derby- Dreier gegen Rudow und das verdienter Weise.

Das Verständnis unserer Spielweise und die dazugehörige Einstellung scheint so langsam jedem Spieler zu Gute zu kommen. Automatismen wirken langsam.

Gegen Preussen wollten wir nun wieder zeigen, das wir „im Anrollen“ sind. Kein Gebolze, kein Geschiebe, keine Angst sondern sachlich, mutig gepaart mit fußballerischen Feinheiten/Möglichkeiten.

Als der Schiedsrichter die Partie anpfiff, traten wir bereits von der ersten Sekunde sehr konzentriert und selbstbewusst auf. Wir ließen kaum etwas zu und übernahmen das Heft des Handelns. Preussen hingegen wirkte sehr passiv.

Schon in den ersten 25 Minuten starteten wir Angriff um Angriff.

Die erste Großchance hatte Yusuf „Gattuso“ Cebeci als er plötzlich völlig frei am 16er stand und selbst der Torwart die Orientierung verloren hatte und nicht mehr wusste wo er überhaupt hin musste, aber anstatt noch 5-6 Meter mit dem Ball in den Strafraum zu ziehen, zögerte Yusuf nicht lange und schoss neben das leerstehende Tor. Hätte er mal den Kopf gehoben.

Doch egal ob es Cebeci, Schmidt, Jacobsen, Jabr oder nochmal Schmidt waren, der Ball wollte einfach nicht ins Gehäuse. Entweder der Torwart reagierte glänzend oder wir scheiterten an uns selbst.

Zur HZ hätte es ohne bedenken 3:0 für uns stehen müssen, das schreibe ich auch nicht mit einer DJK Brille auf der Nase sondern aus vollkommender Ehrlichkeit.

So blieb es bei einem 0:0.

Die nächsten 45. Minuten wollten wir es noch konzentrierter angehen. Preussen agierte nun etwas besser und mutiger, die Dreierkette schob sehr hoch und erhöhte somit leicht den Offensivendruck vom BFC.

In der 48. Minute kam unser Gegner dann über ihre rechte Seite, eine Flanke, eine Unachtsamkeit und schon stand 0:1 aus unserer Sicht. „ Woran hat et jelejen“?

Schon die Flanke hätten wir unterbinden müssen, wir waren in Überzahl in dieser Situation, ärgerlich und unnötig. Auch wenn einige Spieler von uns monierten, dass der Ball klar im Aus gewesen sei, hat es der SR nun mal anders gesehen. Hätte,hätte.

Preussen dachte nun, sie hätten ab diesem Zeitpunkt alles unter Kontrolle, doch was uns auch gerade ausmacht und was sich entwickelt hat in den letzten Wochen, ist die Tatsache weiterhin an sich zu glauben und das zeigten wir. Immer wieder rollten wir an, wir überspielten die hochstehende Dreierkette von Preussen das ein ums andere Mal, doch entweder unsere Abspiele kamen zu unkontrolliert oder wir standen im Abseits.

Man kann unserer Offensive nur den Vorwurf machen zu kläglich mit den Chancen umgegangen zu sein, denn spielerisch war es gut anzusehen. So kam es wie es vielleicht im Fußball eben kommen musste. Nicht die Offensive sondern ein Mann aus unserer Defensive erlöste uns.

Aus unserer Zentrale schalteten wir schnell um und spielten den Ball auf die rechte Außenbahn, Maurice zog die Grundlinie entlang und passte flach auf den für Schmidt eingewechselten Büchner, bereits im 16er stehend, aber mit dem Rücken zum Tor, schob er den Ball weiter zu Matteo als ich das von Trainerbank aus sah, wurde mein Kopf schon wieder knall rot, noch ein Pass und noch ein Pass und das alles im Strafraum, doch Matteo setzte noch einen drauf und wollte mich nun endgültig fertig machen in dem er mit der Hacke** wiederum den Ball weiterleitete.

**Hacke: Vielleicht bin ich der einzige Trainer der so denkt, aber meine Sicht mit der Hacke zu spielen ist so:

Unkontrolliert
90% ein Ballverlust
der Spieler will persönlich nur gut aussehen
nur wenige können es wirklich

Nun gehört Matteo anscheinend zu Punkt 4, denn dieses Zuspiel landete bei einem Mann, der seit 100 Jahren im Verein spielt und alles miterlebt hat, auf den man sich verlassen kann und der besonders für eines eben nicht bekannt war: Nämlich Tore zu schießen:

1:1, 69. Minute, THOMAS MEIßNER

Und wie, eigentlich ein typische Müller, den Ball nicht richtig getroffen, völlig falsch zum Tor gestanden, halb aus der Drehung und halb im rückwärts laufen, erst den rechten Fuß genommen, dann doch lieber für links entschieden und dann tunnelte er auch noch den Torhüter.

Meißner,Meißner, wie geil.

Er musste es richten und das war auch gut so, denn es war ein absolut verdienter Treffer und ein Startschuss sogar noch drei Punkte mitzunehmen.

In den folgenden Minuten zuckte Preussen mit den Schultern, denn es ging Schlag auf Schlag, wir zuckten vor Aufregung Aussen an der Trainerbank, weil wir mehr wollten und dem Linienrichter zuckte es im Arm, denn dieser ging zu 90% immer nach oben, bei unseren Angriffen. Ich gebe zu es war nicht alles falsch was er da angezeigt hatte, aber die Krönung kam in der 88. Minute.

Timo bekam höhe der Mittellinie den Ball in den Lauf, die Abwehrkette von Preussen war ausgehebelt, Ose lief alleine auf den Torwart zu, unser Spieler Büchner zog mit. Zwei gegen Eins und eigentlich das sichere 2:1 für uns. Im 16er angekommen, spielte Timo den Ball nach links, und sichtbar nach vorne, auf Phillip, der mit Tempo aus dem Rückraum kam und den Ball über die Linie schob. Alle jubelten nur der Linienrichter hatte etwas gesehen… ABSEITS BÜCHNER.

Ich bleibe dabei, ich möchte kein Schiedsrichter sein, extrem schwerer Job, aber bei solch einer Situation die Fahne zu heben ist ein Unding und beschämend für Linienrichter, die Woche für Woche versuchen ihr Bestes zu geben.

Die Spieler von Preussen lachten, nicht aus dem Grund das der Treffer nicht gegeben wurde sondern über den Linienrichter, der diesen Namen eigentlich nicht tragen dürfte. Vielleicht etwas harte Worte, aber verdauen kann man sowas nur schwer.

Abpfiff.

Endstand 1:1. Punkt geholt, drei wären möglich und verdient gewesen,aber wir können es nicht ändern. Ich beende nun den Bericht mit den Worten vom Schiedsrichter, der, nachdem die Preussen Spieler ihn nochmals darauf hingewiesen haben, dass es nie Abseits gewesen war, zu mir sagte:

„ Tja das ist ärgerlich, es war wohl wirklich kein Abseits, aber wir würden darüber nicht reden, wenn ihre Spieler die Chancen rein gemacht hätten“

Danke, was für eine Aussage, aber wo er recht hat