DJK Schwarz-Weiss Neukölln 1920 e. V.

1. Herren: Aus in Runde 1

Fußball und sein Fundament.
Fußball, eine Sportart die Millionen von Menschen begeistert. Wir alle lieben diese Sportart aus mehreren Gründen. Wir können jubeln, meckern, diskutieren, fachsimpeln, lachen, weinen, den Glauben verlieren, den Glauben wieder finden und vieles mehr.
Eigenschaften, die wir alle schon in unseren Vereinen und auf den Plätzen mitgemacht und erlebt haben. Und das von der Kreisliga C über die Bundesliga bis hin zur Nationalmannschaft.

Fußball verbindet und spaltet zugleich.
Bestes Beispiel ist allein die Kadernominierung des Bundestrainers Joachim Löw. Alle zwei Jahre spaltet diese Entscheidung die Fans und die Presse, aber auch das System, die Spielweise und die einzelnen Positionen werden jeden Tag auf das Neue diskutiert bis wir zum Schluss feststellen und einfach konstatieren müssen:
„Wir sind eben alle Bundestrainer“

Aber so häufig man auch über Aufstellungen, Spieler, Systeme, Automatismen, Spielanteile, Pressingräume und Verlagerungen spricht und diskutiert, als Trainer, Spieler, Fan oder normaler Zuschauer, OHNE das „Fußballerische Fundament“, dass aus Spaß, Willen, Ehrgeiz und Konzentration besteht, kann man alle anderen taktischen Feinheiten und die damit verbunden Diskussionen, erst mal in die Ecke stellen.
Somit komme ich nun zu unserem Pokalspiel gegen den Landesligisten Spandau 06.

Eine erfahrene und technisch starke Mannschaft, deren Taktgeber schon in der Ober- und Regionalliga gespielt haben. Es war für uns also mehr als ein Gegner aus der Landesliga und das sollte sich auch in den 90 Minuten zeigen.

Wir mussten zum Spiel gegen Al Dersimspor aus verschiedenen Gründen etwas ändern. Bengt verletzte sich unter der Woche am Rücken, Robert Kruk rückte dafür in die Anfangself. Leroy hatte ein angeschlagenes Sprunggelenk und wurde von Christopher Jung ersetzt, Timo war nach einer zweiwöchigen Grippe zwar wieder einsatzfähig, aber kräftemäßig bei weitem noch nicht bei 100%. Colin bekam das Vertrauen im Defensiven Mittelfeld, dafür rückte Matteo in die Innenverteidigung. Die Umstellung ergab sich durch den Ausfall von Fabio, der sich ebenfalls die Sommergrippe einfing. Weiterhin nicht dabei Kirstein, Schulze, Mielitz, Plautz und Fink.
Das Spiel begann. Spandau zog sich zurück und baute einen Riegel in höhe der Mittellinie auf. Die Zwei Stürmer lauerten immer wieder auf schnelle Pässe in die Spitze, die Taktik war also klar auf Konter ausgelegt. Wir hingegen spielten etwas abwartend, wollten Kontrolle haben, sehen, was der Gegner vor hat und uns nicht locken lassen, weil wir wussten das es kein normaler Landesligist war und dann?!
Erste Minute, Stellungsfehler im eigenen Aufbau und schlechte Kommunikation in der Positionsübernahme zwischen DM und IV.

0:1

So kann man natürlich einem Gegner, der für exakt 45 Sekunden noch Respekt gegenüber einem Berlin Ligisten hatte, sofort signalisieren: Respekt braucht ihr nicht haben, kommt einfach, wir laden euch ein.

Denn genau diese Einstellung verkörperten wir in den nächsten 44 Minuten. Keine Laufbereitschaft, kein fordern des Balles, kein aufbäumen, keine Spannung und keine Zweikampfführung. Spandau spielte mit uns Katz und Maus. Sie müssen sich vorgekommen sein, wie in der Bezirksliga, als sie alles gegen die Wand gespielt haben.

Wir ließen alles vermissen. Hatten wir den Ball, wussten wir nichts damit anzufangen. Motivationen und Anfeuerungen untereinander? Fehlanzeige. Spandau spielte simplen, aber effektiven Fußball und wir schauten nur hinterher. Ich komme zurück auf den Anfang dieses Berichtes: Wenn das Fundament nicht stimmt, stimmt der Rest erst recht nicht.

Das Spiel plätscherte vor sich hin. Spandau war spielerisch wesentlich besser und wir fanden keine Ruhe und keine Organisation.

„Die einen wollten nicht und die anderen konnten nicht“, leider verkörperten wir beides in dieser Aussage.
In der 44. Minute entschied sich der Linienrichter, sich unserer sehr launischen und unmotivierten Spielweise anzupassen und vergaß kurzerhand die Fahne zu heben, als der Stürmer von Spandau ganz locker 2-3 Meter im Abseits stand. Aber verdient war es alle mal und wer dachte das wir es wenigstens mit 0:2 in die Kabine schaffen, hatte sich ebenso getäuscht. Nach dem Motto: „Einer geht noch“, verloren wir in der 45+3 Minute exakt vier Zweikämpfe hintereinander in der eigenen Hälfte, sodass es beim Abpfiff mit 0:3 in die Kabine ging. Schön noch mal einen Doppelschlag hingenommen damit das Selbstbewusstsein einen richtigen Tritt bekommt.

In der Kabine war völlige Ruhe, wie schon auf dem Platz. Das Katz und Maus Spiel hatte uns natürlich extrem Kraft gekostet und das bei dieser Hitze. Nichtsdestotrotz, gilt im Fußball immer eines: Aufgeben darf man sich nie und wir verlangten, unabhängig vom Endtand dieses Spieles, das unsere Jungs sich auf das Wesentliche besinnen und die Tugenden erkennbar sein müssen. Wir stellten um. Maurice zog in die Innenverteidigung und ersetzte Robert Kruk, der einfach mal keinen guten Tag hatte, aber das muss man mal so hinnehmen. Aufstehen, Mund abputzen und weiter machen, dafür kam Fabio Engelhardt im rechten Mittelfeld.

Die erste Aktion hatten aber wieder Gäste, die den Konter allerdings verstolperten und uns somit am Leben ließen, wenn man das bei einem 0:3 sagen kann. Viel wichtiger war aber zu sehen, dass mehr Bewegung in unserem Spiel war und auch die Zweikämpfe wurde nun endlich angenommen und gewonnen. Zwar bei weitem noch nicht in der Art, wie wir es können, aber wesentlich besser als noch in der 1. Halbzeit. Durch Fabio, der eigentlich Kraft und Saftlos war, durch seine ausgestandene Grippe, kam neuer Schwung ins Spiel und wir erarbeiten uns endlich auch Aktionen im letzten Drittel. Schnellere und genauere Pässe, mehr Mut in den Aktionen und einige Flanken fanden den Weg in den Strafraum.

In der 49. Minute verarbeitete unser Stürmer Jung den Ball im gegnerischen Strafraum und zog ab. Der Ball landete nur an der Latte, aber es war eine endlich mal eine Aktion und die Erkenntnis, dass vielleicht doch noch was ging. In der 52. war es wieder Jung der eine schöne Flanke von Kenny Klass per Kopf ins Tor beförderte.

1:3

Nun verließen Spandau langsam die Kräfte und trotzdem waren sie immer noch brandgefährlich, wenn sie in unserer Hälfte kamen. Aber auch sie waren im letzten Drittel nicht mehr durchschlagkräftig. So entwickelte sich zwar kein schönes, aber für unsere Fans doch ein spannendes Spiel. Fehler auf beiden Seiten, die nicht ausgenutzt worden sind.

Jung kam in der 78. Minute noch zu einer weiteren Chance, die aber leider wie ein Rückpass zum Torwart rollte, da er direkt am 16er in den trockenen, fluffigen Rasen trat. Schade.

Zuvor wurde in der 71. Minute Leon Michalke für Colin Sallah eingewechselt. Leon versuchte immer wieder den Ball in die Box zu bringen, fand aber keinen Abnehmer, da die Kräfte seiner Kollegen auch langsam nachließen. In der 89. Minute beschloss er dann eben nicht zu Flanken sondern einfach mal aus knapp 30 Metern abzuziehen und siehe da, auch dank des Spandauer Keepers landete der Ball unten links im Netz.

2:3

Spandau musste nochmal zittern. Wer hätte das nach den ersten 45. Minuten gedacht. Die nächsten 4 Minuten waren wir im Ballbesitz, weil unser Gegner die Bälle nur noch nach vorne schlug. Es flog noch einmal ein Ball in der Strafraum unseres Gegners, der Torwart kam raus und faustete den Ball gemeinsam mit seinem Abwehrspieler, der den Kopf hinhielt, zur Ecke.
Eine einzige Möglichkeit blieb uns also noch. Alle waren auf dem Weg in den 16er.

Auch der Schiedsrichter positionierte sich langsam. Er lief, guckte auf seine Uhr, lief weiter, blieb stehen, guckte den Ball an, guckte auf seine Uhr, lief weiter, blieb stehen und beschloss dann nach 15-20 Sekunden des „laufens“, „guckens“ und „nachdenkens“ seine Pfeife in den Mund zu nehmen, noch mal kurz zu überlegen und dann abzupfeifen.

Ja gut, kann man so machen, auch ihm war die Hitze leicht zu Kopf gestiegen.

Das war es also mit dem Pokal. Schade und unnötig, aber unterm Strich verdient. Es reichen eben nicht 20-30. Minuten, um in die nächste Runde einzuziehen. Aber vor allem bleibt die Erkenntnis, das man ohne Fundament kein Haus bauen kann. Wir haben in der ersten Halbzeit alle Tugenden vermissen lassen und ohne diese einfachen Fußballattribute kann man eben kein Spiel gewinnen.
Das wissen wir Trainer, als auch unsere Edeltaktiker auf der Tribüne

„Wir sind eben alle Bundestrainer“
Euch eine schöne Woche